Was bedeutet Persönlichkeitsentwicklung für mich?

Persönlichkeitsentwicklung. Puh. Das ist ja nicht nur ein Wort, das für Autocorrect auf dem iPhone eine Herausforderung darstellt.

Das ist fast eher so ein schwammig aufgebauschtes Wort, dass ich Schwierigkeiten kriege es richtig zu beschreiben, obwohl ich mich täglich damit befasse. Aber gehen wir dafür vielleicht erst einmal auf die Bedeutung des Wortes „Entwicklung“ ein. Laut Wikipedia ist Entwicklung nämlich „körperliche und seelische Reifung“. So weit, so gut. Reifung also. Für mich ist ja Reifung aber ein Prozess, der nicht zwangsweise jemanden benötigt, der die Richtung vorgibt. Schließlich reift so ein Apfel auch; ohne dass jemand von außen auf ihn einwirkt. Natürlich ist der Apfel gewissen Gesetzmäßigkeiten unterlegen, aber das ist der Mensch ja auch. Nur eben auf einer anderen Ebene.

Und ich denke, dass genau hier der Begriff der „Persönlichkeit“ genauer betrachtet werden muss. Diese ist laut Wikipedia nämlich die „Gesamtheit der persönlichen (charakteristisch, individuellen) Eigenschaften eines Menschen“. Demnach geht es, so objektiv wie irgend möglich betrachtet, darum, die Gesamtheit eines Menschen einer körperlichen und seelischen Reifung zu unterziehen. Jetzt müsste man an dieser Stelle noch anfangen zu fragen, was denn überhaupt Reifung bedeutet; was seelisch und was genau körperlich ist.

Ja, ja, ja doch! Aber darum geht es doch überhaupt nicht! Und warum nicht? Nun, ganz einfach weil Persönlichkeitsentwicklung hochgradig individuell ist. Jeder Mensch hat einen eigenen und anderen Zugang zu dieser Thematik. Und auch wenn ich jetzt ausnahmsweise mal nicht gegoogled habe, ob es eine konkrete Bezeichnung für dieses Wort gibt, denke ich, dass Persönlichkeitsentwicklung schlicht und ergreifend den Prozess des Voranschreiten bezeichnet. Zumindest tut es das für mich.

Probleme, Aufgabe und Herausforderungen

Oft, vielleicht sogar sehr oft, stehen wir Menschen, wir Individuen vor ganz besonderen Problemen, Aufgaben, Herausforderungen (die Wortwahl wird hierbei durch den Menschen selbst geprägt), die uns auf den ersten Blick übermannen (oder überfrauen) scheinen. Denn ich glaube, dass wir ziemlich unterschiedlich konditioniert (Pavlov? It rings a bell) wurden. Konditioniert zu sein, das bedeutet letztlich, dass wir in gewissen Situationen durch gewisse Auslösereize getriggert werden.

Beispiel hierfür: nach dem Abitur wusste ich selbst überhaupt nicht wohin mit mir (na, kommt dir bekannt vor?) – also musste ich anfangen Entscheidungen auf der Grundlage meiner bisherigen Lebenserfahrung zu treffen; soll heißen ich musste einen Ausbildungsplatz/Studienplatz finden. Wo aber bewerbe ich mich, wenn ich eigentlich überhaupt keinen Plan davon habe, wo ich im Leben hin will? Richtig, ich bewerbe mich grundlegend auf das, was mir von Zuhause (meinen Eltern, meinem Umfeld) als „richtig“ suggeriert wird. Das kann nun aber auch vieles bedeuten. Denn nur weil mein Vater Polizist ist, muss ich nicht auch Polizist werden. Die Wahrscheinlichkeit aber, dass ich ähnliche Glaubenssätze zu ähnlichen Themen wie mein Vater habe, ist ziemlich hoch.

Gespräch mit meinem Vater

Nun spreche ich also mit meinem Vater über mögliche Ausbildungsmöglichkeiten und sofort wird mir klar gemacht, welche Vorteile es doch habe, würde ich mich bei der Polizei bewerben. Okay, gut – aber wo sind nun die Auslösereize, wo sind die Trigger? Pass auf, jetzt wird es nämlich spannend: je nachdem wie das Verhältnis zwischen mir und meinem Vater ist, werde ich jetzt auf die eine oder andere Art getriggert. Halte ich die Ansichten meines Vaters für absolut wichtig, schätze ich seine Meinung in jeder Hinsicht ohne ihn groß hinterfragen zu müssen, wird bei mir der Reiz freigelegt, ich sollte doch gefälligst schon gestern eine Bewerbung bei der Polizei eingereicht haben!

Denke ich jedoch relativ quer, habe eine stark ausgeprägte rebellische Ader und führe ich eine Beziehung zu meinem Vater, die eher an der Oberfläche und nicht von zu großer Ehrlichkeit geprägt ist, wird der Reiz freigelegt, ich solle mir doch gefälligst ein eigenes Bild machen, nicht das übernehmen, was jemand anderes mir erzählt und gefälligst alles, ja wirklich alles tun, um nicht bei der Polizei zu landen. Wow. Das hat jetzt geholfen, nicht wahr? Ja, nicht wahr.

Hier kommt die Persönlichkeitsentwicklung ins Spiel

Denn jedes Mal, wenn wir als Menschen – ob nun jung wie im Beispiel oder alt und betagt – vor Entscheidungen stehen, müssen und werden wir diese auch treffen. Die Frage, die sich vor einigen Jahren aber mir gestellt hat, war: möchte ich nun eigentlich ein Leben führen, das MIR gefällt oder eines, das anderen gefällt? Ja, ich weiß, diese Art von Frage hören und lesen wir in jedem x-beliebigen Ratgeber. Wahrscheinlich sogar in dem über das Anpflanzen von Süßkartoffeln. Aber vielleicht lesen und hören wir diese Frage so oft, weil so viel Wahres in ihr steckt.

Und jetzt stellen wir uns mal vor, wir wüssten auf diese ganzen Fragen die Antworten, fänden sofort die passende Option und könnten jedes unserer Probleme, jede Herausforderung, jede Aufgabe sofort bewältigen. Wäre das nicht umwerfend schön? Ja, wäre es. Stelle ich gerne Fragen und beantworte diese dann im Nachhinein selbst, um sie dramatischer zu gestalten?

Kleiner Scherz am Rande. Aber auch dieser soll zweckdienlich sein.

Fazit

Nun also noch einmal und endgültig abschließend, quasi zum Mitschreiben: Persönlichkeitsentwicklung bietet genau hierfür einen Schlüssel. Natürlich ist es kein Heiliger Gral und nur weil ich mal ein Buch von Anthony Robbins gelesen oder ein Seminar von Tobias Beck besucht habe, bin ich noch lange nicht an einem meiner Ziele angekommen. Aber ich bin los gegangen. Und darum geht es! Nimm die Beine in die Hand – oder zumindest den Stift – und fang an! Schreibe doch erst einmal auf, was in deinem Leben überhaupt gerade so Phase ist. Bist du glücklich oder unglücklich; könntest du fitter sein oder fühlst du dich gesund; führst du ausgewogene Beziehungen oder glaubst du, dass du zu oberflächlich bist? Verdammt ja, du merkst schon, dass das ziemlich unangenehme Fragen sind, die ich hier in den Raum werfe.

Aber gerade deshalb sind sie doch so verdammt wichtig! Die eigene Persönlichkeit zu entwickeln bedeutet doch, dass du anfängst dir Fragen zu stellen, die du dir vorher noch nie gestellt hast. Um Antworten zu erhalten, die du noch nie hattest. Um Schritte zu gehen, die du noch nie vorher gegangen bist. Wie willst du denn vom Leben erwarten, dass es dir in die Karten spielt, wenn du dein Blatt selbst nicht mal kennst?

Das hier soll kein Ratgeber sein. Höchstens einer für das Anpflanzen von Süßkartoffeln. Aber auch dann eher ein ziemlich schlechter. Nein, vielmehr soll das hier mein Erfahrungsaustausch an dich sein. Denn das alles – und noch so einiges mehr – bedeutet Persönlichkeitsentwicklung für mich.

Um es abschließend mit den Worten Leo Tolstoi zu sagen: „schnitze das Leben aus dem Holz, das du hast.“

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